KiTa-Gottesdienst in Alsbach mit Pfrn. H. Woernle
Apr
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20,29)
Eine Schülerin hat mir von einer interessanten Hausaufgabe erzählt: Für den Religionsunterricht sollte sie einen Gegenstand mitbringen, der etwas mit ihrem Bild von Gott zu hat. Keine leichte Aufgabe! Die Schülerin hat sich überlegt: Eine leere Schachtel wäre passend. Denn sie ist sich nicht sicher, ob es Gott überhaupt gibt. Vielleicht ist da auch einfach nichts, so wie in der leeren Schachtel? Wer weiß das schon?
Von mir wollte sie dann wissen: Gibt es überhaupt Menschen, die wirklich an Gott glauben? Als Pfarrerin begegnen mir viele, die das tun. Trotzdem gefällt mir das Bild der leeren Schachtel. Denn hineinschauen, das können wir tatsächlich nicht. Deswegen gehören auch zu meinem Glauben Zweifel. Mal mehr, mal weniger. Und ich kenne die Sehnsucht danach, Beweise zu haben, dass es Gott gibt. Antworten auf meine Fragen zu finden.
So geht es auch dem Jünger Thomas. Als die anderen Jünger ihm erzählen, dass ihnen der auferstandene Jesus begegnet ist, kann er das nicht glauben. Wie soll das gehen, Jesus ist doch gestorben? Er will ihn mit eigenen Augen sehen und seine Wunden vom Kreuz anfassen. Er will sich vergewissern.
Jesus erfüllt ihm diesen Wunsch. Thomas sieht und berührt Jesus und kann es nun wirklich glauben: Er ist auferstanden! Doch Jesus weist ihn zurecht: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Ich verstehe Thomas so gut! Gleichzeitig bleibt mir nichts anderes übrig als zu glauben, ohne Jesus jemals gesehen zu haben.
Was mir dabei hilft? Andere, die mit mir glauben. Für mich hat es eine unglaubliche Kraft, wenn wir uns gegenseitig von unserem Glauben und unseren Zweifeln erzählen.
Dann berichtet vielleicht eine davon, dass sie Gott gespürt hat, als sie in einer verzweifelten Situation wieder Lebensmut gefunden hat. Und ein anderer beschreibt Gott als einen, der seine Gebete anhört. Wieder ein anderer sagt vielleicht, dass sich Gott gerade weit weg anfühlt, aber er noch weiß, dass das in anderen Lebensphasen auch schon anders war.
Was würden Sie aussuchen, wenn Sie die Hausaufgabe hätten: Bring etwas mit, dass dich an Gott erinnert! Vielleicht erzählen Sie einer Freundin davon. Oder mir demnächst an der Kirchentür. Ich bin gespannt!
Ihre Pfarrerin
Hannah Woernle